13. Frankensteinlauf – Himmelsleiter und Bratwurst-Mann
Steigungen von 25–45 % – also quasi flach. Wetter war top: leichte Brise, nicht zu viel Sonne, kein Regen. Was möchte das Läuferherz mehr. Bin mit der Bahn angereist, hab schon auf dem Hinweg einige Läufer an ihrer auffällig bunten Kleidung erkannt, die anscheinend dasselbe Ziel hatten wie ich.
Anreise & Organisation
Am besten mit der Straßenbahn – wer mit dem Auto kommt, sollte eher den Parkplatz vom Schwimmbad nehmen und den Rest laufen. Der Veranstaltungsplatz hätte nicht viel kleiner sein dürfen, wurde entsprechend muckelig voll. Trotzdem war alles da: Fritzkola, Bratwurst, Kaffee, Kuchen, feste sanitäre Einrichtungen samt Dusche und kostenloser Gepäckverwahrung. Sehr gut veranstaltet.
Ich kam mir neben all den top fitten Läufern mit Laufwesten und Gürteln etwas fehl am Platz vor – definitiv einer der kräftigsten dort. Die Wege waren gut ausgeschildert, viele Streckenposten, ein Besenläufer, Sanitäter und Bergwacht vor Ort. Großer Respekt an alle Ehrenamtlichen.
Das Rennen
Start wurde aufs Veranstaltungsgelände verlegt, gleich eine scharfe Rechtskurve, entsprechend Gedrängel am Anfang. Die ersten drei Kilometer liefen sich einfach, nur eine kleine Engstelle. Eine schmale Treppe neben dem Naturfreundehaus führte runter zur Modau – eine der schönsten Ecken Eberstadts mit Streuobstwiesen und Pferden.
Danach hügeliges Gelände mit Wurzeln und Sandboden, erste Anstiege, erste Leute eingesammelt. Ende Kilometer 4 kam für viele der Endgegner: die Himmelsleiter.
Die Himmelsleiter – 256 Treppenstufen
Eines der Highlights der Strecke. 256 historische Granitstufen, mal massiv, mal nur vereinzelt – dazwischen ausgewaschener Pfad. Unten steil und anstrengend, dann etwas flacher, kurz vor der Burg noch mal steiler.
Bergauf war ich stark, hab dort auch zwei-, dreimal überholt – dabei aber den Puls zu oft in den Maximalbereich geschossen. Hände auf die Oberschenkel gestützt, Oberkörper aufrecht gehalten, je nach Steigung die Hände weiter Richtung Knie oder Hüfte geschoben. Kurzes unangenehmes Ziehen im unteren Rücken, aber nur muskulär.
Mitte Kilometer 6 die Himmelsleiter geschafft, erster Blick auf die Burg Frankenstein. Fast hätte es mich noch gelegt, weil vor mir Läufer im matschigen Downhill stehen blieben.
Der Bratwurst-Mann
Nach dem Bergturmfest an der Felsinghütte (dort wird auch der Lindwurmlauf ausgetragen – sehr zu empfehlen) ging’s bergab in einen meiner Lieblingsabschnitte. Auf einem abschüssigen Waldweg hat mich dort einer dieser fitten Alten überholt – mit einer Bratwurst in der Hand, im vollen Galopp. Ich lief 4:40er-Pace, er zieht vorbei als wäre nichts. Tiefster Respekt und Verwunderung – hab ihn später bei einem weiteren Anstieg noch mal eingesammelt.
Es kommt wie es kommen musste
Ab Kilometer 10 ging der Sprit langsam aus. Bei Kilometer 11, weiter bergab, fing die Wade an zu verkrampfen – hätte mich fast aus der Kurve gehoben. Erstes Mal in dieser Heftigkeit, also entschieden: einfach weiterlaufen und bewusst entspannen (progressive Muskelentspannung nach Jacobson), auch wenn’s Tempo kostete. Hat funktioniert, solange der Kopf nicht abschweifte.
Kurz vor mir stürzte jemand, rollte sich zum Glück zur Seite ab – keine Kopfverletzung, alles heile. Kurz vergewissert, dann weiter Gas gegeben. Die letzten zwei Kilometer zogen sich, weil ich mich vorher zu sehr verausgabt und bei der Verpflegung eine Fehlentscheidung getroffen hatte. Trotzdem: mit 5:40er- und 5:30er-Paces am Ende bin ich zufrieden.
Renndaten
| Wert | |
|---|---|
| Dauer (Garmin) | 1:28:41 |
| Distanz | 13,01 km |
| Ø Herzfrequenz | 155 S/min |
| Max. Herzfrequenz | 172 S/min |
| Ø Tempo | 6:49 min/km |
| Max. Tempo | 4:24 min/km |
| Aufstieg / Abstieg | 290 m / 290 m |
| RPE | 7/10 |
Was hab ich gelernt
Ich muss mehr schnell laufen. Im Gelände lief’s prima, aber auf einfachen, abschüssigen Waldwegen, wo ich selbst noch mal hätte Dampf machen können, hat mir koordinativ die Ansteuerung gefehlt. Kurz gesagt: zu wenig schnelle Paces trainiert.
Nicht zu gierig werden – hier hat’s gepasst, eine Woche später bei 22 km nicht mehr. Und: Verpflegung nicht unterschätzen. Bei 13 km dachte ich, ein Gel brauch ich nicht. Falsch gedacht – im Nachhinein hätte ich vor oder nach der Himmelsleiter eins reinziehen sollen. Oder eben eine Bratwurst.